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In der Landschafts- und Architekturfotografie kommen häufig Graufilter zum Einsatz. In diesem Artikel möchte ich einige Anwendungsbeispiele vorstellen und von meiner persönlichen Erfahrung berichten, da das Angebot an Filtern und Filtersystemen für den Einsteiger recht unübersichtlich ist.


Einsatzgebiete von Graufiltern

Graufilter (auch ND-Filter – ND steht dabei für Neutraldichte oder Neutral Density) können genutzt werden, um beim Fotografieren die einfallende Lichtmenge zu reduzieren. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man bei Einsatz eines Graufilters entweder längere Belichtungszeiten oder eine weiter geöffnete Blende verwenden muss, um eine ähnliche Belichtung wie ohne Verwendung des Graufilters zu erzielen. Idealerweise sollte das Graufilter dabei keinen Einfluss auf Farbgebung und Kontraste haben. Neben den gleichmäßig lichtreduzierenden Graufiltern gibt es auch noch sogenannte Verlaufsfilter, bei denen entweder ein weicher Verlauf oder ein harter Übergang von grau nach transparent angeboten werden – alle diese Filter gibt es in verschiedenen „Dichten“ – je höher die Dichte, desto stärker der Effekt. Graufilter gibt es außerdem in verschiedenen Größen entweder zum Aufschrauben auf das Filtergewinde des Objektivs oder für Stecksysteme (z.B. Rollei, NiSi, Haida, Lee, LucroIt). Graufilter lassen sich auch kombinieren, der Effekt der einzelnen Filter addiert sich auf.

Klassische Einsatzgebiete für Graufilter sind 

  • Bewegungsunschärfe – durch Langzeitbelichtung fließenden Wassers kann ein seidiger, künstlerisch überhöhter Effekt erzielt werden. Auch am Himmel ziehende Wolken lassen sich verwischen.
  • Architekturaufnahmen – durch Langzeitbelichtung können störende Objekte (z.B. Fahrzeuge, Vögel oder auch Menschen), die sich durchs Bild bewegen, eliminiert werden.
  • Freistellen – in hellen Lichtsituationen lässt sich durch den Einsatz eines Graufilters eine niedrigere Blende wählen, um so das Subjekt (z.B. beim Portraitieren) besser vor einem Hintergrund frei zu stellen.
  • Ausgleich von Helligkeitsgefälle – oft kommt es vor, dass Vorder- und Hintergrund eines Motivs in der Landschaftsfotografie unterschiedliche Belichtungszeiten erfordern würden – meistens ist der Himmel dabei heller als der Vordergrund – dies kann man durch den Einsatz eines Verlaufsfilters ausgleichen und so mit nur einer Einstellung ein korrekt belichtetes Foto aufnehmen.

Beispiel: Bei dieser Aufnahme des Leuchtturms Paard van Marken sind die ersten beiden Anwendungsbeispiele in Kombination zu erkennen: durch Einsatz eines ND-Filters mit 64-facher Verlängerung der Belichtungszeit konnte ich diese Aufnahme zur blauen Stunde bei Blende f/8 und ISO 50 insgesamt 120 s belichten – dadurch werden sowohl das Meer im Vordergrund beruhigt als auch die Wolken am Himmel verwischt, so dass das Auge auf das eigentliche Bildmotiv, den Leuchtturm, gelenkt wird.

Filterstärken

Die Stärke der Graufilter wird von verschiedenen Herstellern unterschiedlich angegeben:

  • Dichte – die Dichte des Filters in Abstufungen von 0,3 bis 3,0
  • Blendenstufen – die Anzahl der Blendenstufen, die durch das Filter abgedunkelt werden – die Skala reicht von -1 bis -10
  • Verlängerungsfaktor – der Faktor, um den sich die Belichtungszeit bei Einsatz des Filters verlängert – die Werte sind Potenzen der Zahl 2 und reichen von 2 bis maximal 1.024 – oft wird zur Vereinfachung 1.000 statt 1.024 angegeben, was das Berechnen der korrigierten Belichtungszeit erleichtert.

Wie sich die einzelnen Bezeichnungen ineinander überführen lassen, ist in den oberen drei Zeilen der nebenstehenden Korrekturtabelle dargestellt.

Um die Korrekturtabelle zu verwenden, misst man erst die vorgeschlagene Belichtungszeit ohne Verwendung des Filters und wählt dann über die gewünschte Zielbelichtungszeit ein passendes Filter (oder eine Kombination von Filtern). Natürlich ist auch der umgekehrte Weg möglich, die neue Belichtungszeit bei Verwendung einer bestimmten Filterstärke abzulesen.

Was ist die ideale Belichtungszeit bei Landschaftsaufnahmen?

Die ideale Belichtungszeit gibt es leider nicht – hier muss man immer situativ entscheiden, welchen Effekt man erzielen möchte. Einflussfaktor kann z.B. die Fließgeschwindigkeit des Wassers eines Wasserfalls sein. Je schneller die Bewegung des Wassers, desto weniger muss man die Belichtungszeit verlängern – hier reichen oft zwei bis vier Sekunden, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Will man das Meer (wie im Beispiel oben) glätten und beruhigen, haben sich nach meiner Erfahrung Belichtungszeiten von 90 s und länger bewährt – ziehende Wolken benötigen eine noch etwas längere Belichtungszeit von 120 s aufwärts.

 

Es gibt auch diverse Apps für mobile Endgeräte, die das Umrechnen der Belichtungszeit erledigen, z.B. Exposure Calculator (Android), NDCalc2 (iOS) oder Trigger Trap (iOS | Android). 

Beispiel: Bei dieser Aufnahme des Kirkjufell auf Island lag die Belichtungszeit bei Blende f/5,6 und ISO 200 bei insgesamt 180 s.

Fotografieren mit Graufilter

Beim Fotografieren mit Graufilter empfehle ich folgende Vorgehensweise: 

  • Kamera auf Stativ ausrichten, Ausschnitt und Blende bei niedriger ISO-Zahl passend vorwählen, ggfs. Spiegelvorauslösung aktivieren
  • Autofokus deaktivieren und manuell fokussieren
  • Korrekte Belichtungszeit ohne Filter ermitteln (z.B. über Zeitautomatik)
  • ND-Filter montieren, korrigierte Belichtungszeit ermitteln (z.B. über Korrekturtabelle oder App)
  • Kamera umstellen auf Bulb-Modus
  • Sucher abdecken, um auf den Sensor einfallendes Streulicht zu vermeiden (nicht nötig im Live View Modus)
  • Aufnahme auslösen über Fernbedienung und gemäß ermittelter Belichtungszeit belichten
  • Kontrolle des Ergebnisses (Histogramm) und ggfs. Anpassung der Belichtungszeit und weitere Aufnahme

 

Das Fotografieren von Langzeitbelichtungen mit Graufilter wirkt – wenn man sich darauf einlässt – sehr entschleunigend.

Mein Tipp:
Ausreichend Zeit mitbringen, sich nicht unter Druck setzen, trotz all der Technik das Gespür und den Blick für die Landschaft und die Natur nicht verlieren – so werden am ehesten kontemplative Aufnahmen entstehen.

 

Welches System ist das beste, und welche Filterstärken braucht man?

Bei meinen eigenen Versuchen habe ich verschiedene Systeme getestet – angefangen mit dem kleinen Cokin-System und Filtern zum Aufschrauben bin ich für meine Normalobjektive schließlich beim 100 mm-Rechteck-Filter-System gelandet, das nach dem aktuellen Stand der Technik am flexibelsten einsetzbar ist.

Nachdem in den ersten Jahren der Markt von Anbietern wie Lee und Formatt-Hitech dominiert wurde, gibt es inzwischen eine große Zahl an weiteren Herstellern, die qualitativ hochwertige Produkte mit sehr guter Farbneutralität der Filter anbieten – deren Systeme sind denen der Platzhirsche inzwischen sogar überlegen.

Runde Filter zum Aufschrauben sind aus meiner Sicht für die Landschaftsfotografie ungeeignet, sie kommen eher beim Aufnehmen von Videos zur Anwendung, um dort die Lichtmenge zu reduzieren.

Das 100 mm-Rechteck-System besteht aus drei Komponenten:

  • Man braucht für jedes Objektiv einen auf das Filtergewinde passenden Adapterring
  • Auf dem Adapterring rastet der Filterhalter mit einem, zwei oder drei Einschüben ein
  • In den Filterhalter werden dann die 10 cm breiten Filter eingeschoben
  • Optional lässt sich am Filterhalter noch ein zirkulares Polfilter montieren – je nach Anbieter liegt das Polfilter direkt vor der Linse (z.B. Rollei, NiSi, Haida) oder wird ganz außen über einen weiteren Adapterring am Filterhalter aufgeschraubt (z.B. Lee), dabei besteht die Gefahr der Vignettierung.

Kunststoff oder Glas?

Die einzelnen Filter sind entweder aus Kuststoff (Resin) oder beschichtetem Glas gefertigt. Doch auch Glas ist nicht gleich Glas: Die aktuellen Angebote der namhaften Hersteller versprechen als Innovation bruchfestes Glas (z.B. Gorilla-Glas von Rollei), das eine gewisse Anzahl an Abstürzen schadlos überstehen soll. 
Was ist besser, Kunststoff oder Glas? Hier scheiden sich die Geister. Filter aus Kunststoff sind leichter als die aus Glas und zerbrechen nicht so leicht, falls sie im Gelände doch mal versehentlich auf den Boden fallen. Dafür sind sie sehr empfindlich und anfällig für Kratzer, die dann zu unschönen Artefakten auf den Fotos führen.
Ich persönlich habe inzwischen meine komplette Filtersammlung auf Glas umgestellt.  

Grundausstattung

Als Filtergrundausstattung empfehle ich neben einer flexiblen Halterung mit Polfilter die Stärken ND 1.8 (bei Lee bekannt als Little Stopper) und ND 3.0 (bei Lee bekannt als Big Stopper) und mindestens ein Grauverlaufsfilter – wenn man nur ein einziges anschaffen möchte, würde ich zu ND 0.9 mit mittlerem Übergang raten.

Ein Grauverlaufsfilter mit hartem Übergang bietet sich immer dann an, wenn Vorder- und Hintergrund klar voneinander getrennt sind, z.B. bei einem Sonnenuntergang am Meer.
Hier kann auch ein Filter mit umgekehrtem Verlauf gute Dienste leisten, der zur Mitte hin – dort, wo die Sonne untergeht – den dunkelsten Bereich hat.
Ein Verlaufsfilter mit mittlerem oder weichem Verlauf ist universeller einsetzbar, da hier die Übergänge von dunkel nach transparent nicht so abrupt verlaufen. Trennt der Horizont Vorder- und Hintergrund nicht klar voneinander, sollte man in der Regel zu dieser Filterart greifen.

Beispiel: Bei dieser Aufnahme eines Canyons in der Nähe des Gullfoss auf Island habe ich ein Polfilter eingesetzt, um die Reflexionen auf der Wasseroberfläche abzumildern, so dass die Strukturen des Untergrunds zum Teil erkennbar werden.

Herstellerempfehlung

Filter und Haltersysteme sind inzwischen in Deutschland glücklicherweise besser zu beziehen als noch vor ein paar Jahren, als z.B. der „Big Stopper“ von Lee Lieferzeiten von mehreren Monaten hatte, aber noch immer sind nicht alle Filterstärken von allen Herstellern bei allen Händlern verfügbar.

Aus diesem Grund möchte ich den Hersteller Rollei empfehlen, der alle erdenklichen Filterarten und Haltersysteme bequem über seinen Online-Shop anbietet. Die Lieferung innerhalb Deutschlands ist versandkostenfrei und dauert maximal drei Werktage.

Das Angebot im Shop von Rollei ist sehr vielfältig, weshalb ich hier die wichtigsten Empfehlungen aus der aktuellen Rock Solid-Serie (gefertigt aus Gorilla-Glas) zusammenstellen möchte. Die angebotenen Halterungen, Pol-, Grau und Verlaufsfilter sind auf dem neuesten Stand der Technik, wunderbar farbneutral und überstehen Dank des unbreakable coatings auch den einen oder anderen Absturz. 

Die Filterhalterung von Rollei verfügt über ein Gewinde zur Aufnahme eines zirkularen Polfilters, das direkt vor der Kameralinse montiert wird und so keine Vignettierung beim Fotografieren verursacht.

Neben der Rock Solid-Variante gibt es von Rollei übrigens auch noch die Mark II-Ausführung. Der Unterschied der beiden Modellreihen liegt im Wesentlichen in der Beschichtung. Nicht alle Filterstärken, die in der Mark II-Serie angeboten werden, sind auch in der Rock Solid-Ausführung erhältlich, weshalb sich für bestimmte Filterstärken die Mark II-Serie anbietet. 

  • Rock Solid: Unbreakable Coating – bruchfest, druckfest, hohe Widerstandsfähigkeit, kratzfest, höchste Farbtreue
  • Mark II: Luminance Coating – höchste Farbtreue, geringste Reflexionen, kratzfeste Vergütung

Außerdem gibt es Rock Solid-Filter Stand heute ausschließlich für das 100 mm-breite System – wer 150 oder gar 180 mm breite Filter für sein Objektiv benötigt, der wird bei der Mark II-Serie fündig. 

Verschiedene Rechteckfilterausführungen aus dem Angebot von Rollei – die Rock Solid-Filter gibt es Stand heute nur für das 100 mm-System. (Alle Angaben ohne Gewähr.)

Einen sehr guten Überblick über die verschiedenen Filter von Rollei findet man in der Broschüre Filterlösungen für den professionellen Anspruch.

Rollei Starter-Sets Filterhalter für 100 mm Rechteckfilter

Rollei Profi Filterhalter Set Mark II bestehend aus Rechteckfilterhalter (aus exakt gefrästem Aluminium) mit drei Einschüben, Zirkular-Polfilter aus Gorilla-Glas passend für Optiken mit Filtergewinden von 52, 55, 58, 62, 67, 72, 77 und 82 mm.

149.99 EUR

Rollei 100 mm Rechteckfilter - Rock Solid (Unbreakable Coating)

  • Graufilter in verschiedenen Stärken (Konfiguration im Shop) aus Gorilla-Glas

99 EUR

 

  • Grauverlaufsfilter mit weichem Übergang in verschiedenen Stärken (Konfiguration im Shop) aus Gorilla-Glas

99 EUR

 

  • Grauverlaufsfilter mit mittlerem Übergang in verschiedenen Stärken (Konfiguration im Shop) aus Gorilla-Glas

99 EUR

 

  • Grauverlaufsfilter mit hartem Übergang in verschiedenen Stärken (Konfiguration im Shop) aus Gorilla-Glas

99 EUR

 

  • Grauverlaufsfilter mit umgekehrtem Übergang in verschiedenen Stärken (Konfiguration im Shop) aus Gorilla-Glas

99 EUR

 

Rollei 100 mm Rechteckfilter - Astroklarfilter

  • Nachtlichtfilter zur Reduktion der Lichtverschmutzung bei Nachtaufnahmen

129.99 EUR

Reinigung und Aufbewahrung der Filter

Die ganzen Filter nützen nichts, wenn sie schmutzig oder verschmiert sind, und das kann im täglichen Gebrauch leider schneller vorkommen als einem lieb ist – auch sollte man sich Gedanken machen, wie die Filtersammlung am besten zu transportieren ist.

Ich empfehle, immer eine ausreichende Menge optischer Reinigungstücher dabei zu haben (feucht oder trocken), um die Filter auch bei leichtem Regen schnell von Wassertropfen befreien zu können. 

Die Reinigungstücher sollten immer nur mit klarem Wasser ausgespült werden, damit es nicht zu Verschmierungen durch Seifenreste kommt. In der Regel packe ich immer ein feuchtes/nasses Reinigungstuch (verpackt in einem wiederverschließbaren Plastikbeutel) in meinen Fotorucksack, um die Filter auch in der Nähe des Meers von hartnäckigen Verschmutzungen befreien zu können.

Bei mir haben sich im praktischen Einsatz folgende Produkte besonders bewährt:

Für den Transport der Filter habe ich Taschen verschiedener Hersteller erprobt (Lee, Hama) – richtig überzeugt hat mich am Ende aber ein Produkt, das man über einen portugiesischen Hersteller beziehen kann: die „Filter Bag CLASSIC“ von Terrascape ist in jedem Detail durchdacht. Diese Tasche verfügt über eine sehr gute Polsterung, ein Nebenfach für die Filterhalterung und über verschiedene Riemen zum Umhängen oder zur Befestigung am Stativ.

Viel Spaß beim Fotografieren!

Wer auf der Suche nach weiterführenden Informationen zum Thema „Fotografieren mit Graufilter“ ist, dem möchte ich mein im dpunkt.verlag erschienenes Buch „Lofoten fotografieren: Im Bann des arktischen Lichts“ ans Herz legen.

Im Kapitel „Optische Filter in der Landschaftsfotografie“ finden sich zusätzliche Hintergrundinformationen und Beispielbilder.

(Bei den Links zu den einzelnen Produkten von Rollei und den Artikeln bei amazon.de handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Das bedeutet, dass ich bei Verkauf der Artikel über diese Links eine (kleine) Provision erhalte, der Preis für den Endkunden erhöht sich dadurch nicht.) 

Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert.
Stand: Oktober 2018. 

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