Polarlichter entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds auf Moleküle in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen und dabei Licht aussenden — ein Phänomen namens Fluoreszenz. Polarlichter kommen sowohl in nördlichen Breiten vor (Aurora borealis) als auch auf der Südhalbkugel (Aurora australis).
Wer die tanzenden Polarlichter schon einmal selbst erlebt hat, weiß um die unvergleichliche Schönheit dieses Naturschauspiels. In diesem Artikel beschreibe ich meine persönliche Vorgehensweise beim Fotografieren von Polarlichtern — von den Kameraeinstellungen bis zur Nachbearbeitung.
Wann ist Polarlicht sichtbar?
Bevor man überhaupt die Kamera auspackt, lohnt sich ein Blick auf die Vorhersage. Für Polarlicht braucht man drei Dinge: einen aktiven Sonnensturm, einen klaren Himmel und eine dunkle Nacht — also außerhalb der Monate mit Mitternachtssonne.
Nützliche Apps und Dienste:
- Glendale App (aurora-alerts.uk) — meine absolute Empfehlung. Die Web-App von Aurora-Experte Andy Stables von der Isle of Skye analysiert Echtzeit-Magnetometerdaten und Satellitendaten und sendet präzise Benachrichtigungen, wenn ein Polarlicht-Substorm beginnt. Anders als die meisten Apps basiert sie nicht auf dem Kp-Index — und das aus gutem Grund: Der Kp-Wert ist ein gemittelter 3-Stunden-Wert aus 13 Stationen weltweit und reagiert viel zu träge auf die kurzen, intensiven Substorms, in denen das eigentliche Polarlicht entsteht. Wer sich auf Kp verlässt, verpasst oft die besten Momente.
- Space Weather Live — ergänzende Echtzeit-Daten zu Sonnenaktivität und Magnetfelddaten
- PhotoPills — zur Planung von Aufnahmeposition, Belichtungszeit und Sternbewegung
Grundsätzlich gilt: Klarer Himmel und Dunkelheit sind genauso wichtig wie Sonnenaktivität. Auf den Lofoten und Senja gibt es zwischen Oktober und März die besten Voraussetzungen — lange dunkle Nächte und bei Glück freie Sicht auf den Nordhimmel.
Kameraeinstellungen
Polarlichter brauchen in der Regel Belichtungszeiten von mehreren Sekunden — ein stabiles Stativ ist daher unbedingt erforderlich. Bei spiegellosen Kameras entfallen Spiegelvorauslösung und Spiegelschlag, was die Sache einfacher macht. DSLR-Nutzer sollten die Spiegelvorauslösung aktivieren. Ausgelöst wird mit einem Fernauslöser oder dem Selbstauslöser, um Verwacklungen zu vermeiden. Bildstabilisatoren am Objektiv oder in der Kamera während der Langzeitbelichtung auf dem Stativ deaktivieren. Lichtstarke Weitwinkelobjektive (f/1,4–f/2,8) sind am besten geeignet.
Blende
Möglichst offen belichten, damit viel Licht auf den Sensor fällt. Blendenwerte um f/2,8 oder kleiner sind ideal. Sollte bei Offenblende Koma auftreten — Sterne werden zum Bildrand hin als kleine Schweife abgebildet — das Objektiv um eine Blende abblenden.
Belichtungszeit
Die Belichtungszeit richtet sich nach der Aktivität des Polarlichts: Bei schnell wechselnden Strukturen kürzer belichten (1–3 Sekunden), bei ruhigem Polarlicht auch etwas länger (5–10 Sekunden). Ab etwa 15–20 Sekunden wird die Bewegung der Sterne sichtbar. Die exakte maximale Belichtungszeit für punktförmige Sterne lässt sich mit PhotoPills ermitteln — abhängig von Brennweite, Sensorgröße und Auflösung.
ISO-Empfindlichkeit
Nach Blende und Belichtungszeit kommt der ISO-Wert. Höhere ISO-Werte erhöhen das Bildrauschen — aber moderne Kameras mit aktuellen Sensoren erlauben problemlos ISO 3.200–6.400, manche auch höher. Am besten von unten herantasten und das Histogramm kontrollieren.
Grundsätzlich gilt: Lieber einen etwas höheren ISO-Wert wählen und korrekt belichten, als zu dunkel fotografieren und in der Nachbearbeitung aufhellen — das verstärkt das Rauschen deutlich stärker.

Bei der Histogramm-Kontrolle ist es normal, wenn sich die Kurve nach links verschiebt — Polarlichtaufnahmen enthalten viele dunkle Bildbereiche. Wichtig ist, dass die Lichter (rechts im Histogramm) nicht ausgefressen sind. Die regelmäßige Kontrolle des Histogramms ist besonders wichtig, weil das helle Display in der dunklen Nacht die Aufnahme heller erscheinen lässt als sie ist.
Fokussieren
In der dunklen Nacht ist manuelles Fokussieren die zuverlässigste Methode. Einen hellen Stern, den Mond oder weit entfernte Lichter anvisieren und im Live View heranzoomen, um den Fokus zu kontrollieren. Bei offener Blende ist die Schärfentiefe sehr gering — eine falsch fokussierte Polarlichtaufnahme ist noch ärgerlicher als eine unterbelichtete.
Bei Aufnahmen mit markanten Vordergrundelementen fertige ich oft zwei Aufnahmen an — einmal mit Fokus auf den Vordergrund, einmal auf den Himmel — und kombiniere diese in der Nachbearbeitung zu einem Bild.
Nachbearbeitung
Bei der Nachbearbeitung von Polarlichtaufnahmen sind folgende Schritte typisch:
- Weißabgleich: Lichtverschmutzung erzeugt oft rötlich-gelbe Farbstiche, die durch selektive Entsättigung oder Abdunklung reduziert werden können.
- Kontrast und Helligkeit: Polarlichtaufnahmen profitieren oft von etwas mehr Kontrast und einer gezielten Aufhellung der Mitteltöne.
- Entrauschen: Die KI-gestützte Denoise-Funktion in Lightroom (seit 2023) liefert hervorragende Ergebnisse und ist inzwischen mein Standard-Workflow. Alternativ: Topaz DeNoise AI. Die Kunst liegt darin, Rauschen im Himmel zu reduzieren, ohne Sterndetails zu verlieren.
- Schärfen: Dezent nachschärfen, vor allem in den Bereichen mit feinen Polarlichtstrukturen.
Dieser Artikel wurde zuletzt im Juni 2026 aktualisiert.
Viel Spaß beim Fotografieren — und vergesst nicht, ab und an auch einfach die Kamera sinken zu lassen und das Spektakel mit eigenen Augen zu genießen.
Wer die Lofoten oder Senja als Fotodestination plant, findet in meinem Fotoguide Lofoten Photography — Under Arctic Light ausführliche Informationen zu 86 Fotostandorten, darunter viele der besten Polarlicht-Spots. Oder komm mit auf einen Foto-Workshop — wir suchen gemeinsam nach dem Licht.



