Letzte Woche durfte ich auf Einladung der Theater-AG des Friedrich-Ebert-Gymnasiums Sandhausen einer Aufführung des Stücks „Der Sturm“ von William Shakespeare beiwohnen und diese auch fotografisch dokumentieren.

Wieder einmal hatte sich die Theater-AG eines anspruchsvollen Stücks angenommen: Zwar ist „Der Sturm“ nicht ganz so bekannt wie andere Werke von William Shakespeare, dafür hat dieses Spätwerk aber eine Vielzahl verschiedener Elemente zu bieten – neben einer Liebesgeschichte gibt es außerdem Intrige,Verrat, tragische Momente, Klamauk und auch auf märchenhafte Augenblicke.

Wie aus der Vergangenheit gewohnt war auch dieses Stück bis in die Nebenrollen großartig besetzt. Phantasievolle und farbenfrohe Kostüme, eine wunderbare Kulisse mit überdimensional gestalteten Büchern und professionelle Bühnenbeleuchtung ließen den Zuschauer vergessen, dass er sich nicht um die Aufführung eines Profi-Ensemble handelte. Wirklich beachtlich, was sich mit viel Kreativität, Engagement und Disziplin alles stemmen lässt – unter der Leitung von Frau Bergerfurth und Frau Schmid-Dresel (Regie) bekamen die Zuschauer wieder einmal großes Theater zu sehen!

(Plakat: Gabriele Knopf)

Gleich der Einstieg ins Stück hatte es in sich: Mit einem wunderbaren Cello-Solo von Laurentien Jungkamp, die auch später mit ihren Solo-Gesangseinlagen immer wieder Gänsehautmomente evozierte, wurde das Stück eröffnet, und direkt im Anschluss wurde auf der Bühne ein Schiffbruch (Choreographie dieser Szene: Wolfgang Metztenberger) mit schauspielerischen Mitteln beeindruckend inszeniert.

Prospero (Maksym Baumgartner), der rechtmäßige Herzog von Mailand, lebt gemeinsam mit seiner Tochter Miranda (Laura Zowada) auf einer einsamen Insel, nachdem er vor zwölf Jahren von seiner Schwester Antonia entmachtet und verstoßen worden war.

Dank seiner Zauberbücher, die er mitnehmen durfte, gelingt es Prospero, ein ruhiges, aber angenehmes Leben auf der Insel zu führen.

Inselgeister und Natur vermag er mit Hilfe der Magie weitestgehend zu beherrschen. Auch Caliban (Kevin Krougliak), der unzivilisierte eigentliche König der Insel, wird von Prospero beherrscht. Mit großartiger Mimik und viel Ausdruck macht Kevin Krougliak als Caliban deutlich, dass er die Situation als Knechtschaft empfindet, von der er sich freizumachen versucht.

Im weiteren Verlauf des Stücks werden Prosperos Feinde Emilia (Emelie Bayer) und Serafina (Victoria Schlüter, ihre Schwester), in die Nähe der Insel verschlagen. Unter Einsatz seiner Zauberkünste und mithilfe seiner dienstbaren Geister – allen voran Ariel (Carmen Adrian), einem Luftgeist – gelingt es Prospero, seinen alten Widersachern den Spiegel vorzuhalten. Er provoziert Intrigen, entzweit die Gefährten und appelliert an die niedersten Instinkte.

Am Ende des Abends haben die Zuschauer viele unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt gesehen, und jeder hat vermutlich seine eigene Botschaft mit nach Hause genommen.

Meine Erkenntnis des Abends: Kulturelle Höhepunkte kann man oft auch in unmittelbarer Nachbarschaft erleben, und nicht nur die großen Bühnen bieten sehenswertes Theater. Schade, dass all der Aufwand, den das Ensemble vor und hinter den Kulissen investiert hat, nicht durch etwas höhere Besucherzahlen honoriert worden ist – ich jedenfalls bin schon sehr gespannt auf die nächste Inszenierung im Jahr 2020! 

Insgesamt konnte ich der Theater-AG im Anschluss an die Aufführung 200 Aufnahmen zur Verfügung stellen – die 20 hier gezeigten bilden eine guten Querschnitt, auch wenn leider nicht alle Darstellerinnen und Darsteller gezeigt werden.

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