Seit der Einführung spiegelloser Systemkameras ist der Sensor beim Objektivwechsel weniger gut geschützt als bei Kameras mit Spiegel — das gilt für alle Hersteller: Sony, Nikon Z, Canon R, Fujifilm X und GFX, Hasselblad X und L. Schmutzpartikel können leichter ins Gehäuse eindringen und sich auf dem Sensor ablagern.
Die gute Nachricht: Sensorreinigung ist kein Hexenwerk. In diesem Artikel zeige ich meine persönliche Vorgehensweise — von der Schmutzvermeidung über die Trockenreinigung bis zur Nassreinigung.
Wann sind Sensorflecken störend?
Sensorflecken fallen besonders bei Aufnahmen mit geschlossener Blende auf. Bei offener Blende sind sie oft kaum sichtbar. Die folgende Beispielaufnahme zeigt den Strand von Ramberg auf den Lofoten, aufgenommen bei f/13 und 180 Sekunden Belichtungszeit — die unbearbeitete Aufnahme weist deutliche Sensorflecken auf, die sich in Lightroom mit der „Visualize Spots“-Funktion gut sichtbar machen lassen.


Die Visualize Spots-Maske in Lightroom macht die Flecken sichtbar und das Reparaturwerkzeug entfernt sie per Klick. Korrekturen lassen sich auf alle Fotos der gleichen Serie übertragen — so musst du nicht jedes Bild einzeln bearbeiten.
Noch einfacher geht es mit der neueren Dust Removal-Funktion in Lightroom Classic (seit Herbst 2025): Sie erkennt Sensorflecken automatisch und entfernt sie mit einem Klick — ohne dass man jeden Fleck manuell suchen und wegstempeln muss.
Zwar lässt sich ein schmutziger Sensor also digital korrigieren — aber es ist zeitaufwändig. Besser: den Sensor erst gar nicht schmutzig werden lassen.
Schmutzvermeidung beim Objektivwechsel
Die effektivste Sensorreinigung ist die, die gar nicht erst nötig wird. Beim Objektivwechsel empfehle ich folgende Reihenfolge:
- Kamera ausschalten — damit ist der Sensor nicht mehr elektrostatisch aufgeladen und zieht keinen Staub an
- Wechselobjektiv vorbereiten und griffbereit legen
- Kamera nach unten richten
- Montiertes Objektiv lösen und zur Seite legen
- Wechselobjektiv schnell aufsetzen und fixieren
Ein weiterer hilfreicher Trick: Den eigenen Körper als Windschutz einsetzen und sich so positionieren, dass die Kamera vor dem Wind abgeschirmt ist — besonders bei trockenem, staubigem Wetter kann der Wind erstaunlich viele Partikel transportieren.
Ist trotz aller Vorsicht Schmutz auf dem Sensor gelandet, gehe ich folgendermaßen vor.
Schritt 1: Eingebaute Sensorreinigung
Vor jedem manuellen Reinigungsschritt führe ich zunächst das interne Reinigungsprogramm der Kamera aus. Dieses lässt den Sensor kurz vibrieren, um grobe Partikel abzuschütteln. Wichtiger noch: Bei Sony-Kameras (und vielen anderen Herstellern) wird der Sensor am Ende des Reinigungsprogramms fixiert — erst dann ist es sicher, ihn manuell zu berühren, ohne die Sensor-Aufhängung (Bildstabilisator) zu beschädigen.
Bei Sony-Kameras: MENU → Einstellung → Reinigungsmodus → Eingabe. Das Programm wird durch Ausschalten der Kamera beendet. Bitte die Bedienungsanleitung deiner Kamera konsultieren — andere Hersteller haben ähnliche Funktionen unter unterschiedlichen Menüpunkten.
Schritt 2: Den Sensor unter die Lupe nehmen
Bevor ich mit der Reinigung beginne, mache ich mir ein Bild davon, wo genau der Schmutz sitzt. Dafür verwende ich eine Sensorlupe — sie beleuchtet den Sensor und vergrößert ihn 7-fach. Nach jedem Reinigungsschritt kontrolliere ich damit erneut, ob noch Partikel vorhanden sind.
Empfehlenswert ist die JJC-Universallupe mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Wichtig: Die Lupe mit etwas Abstand zum Bajonett halten, damit der Sensor scharf abgebildet wird.
Schritt 3: Reinigung mit dem Blasebalg
Grobe Staubpartikel lassen sich oft schon mit einem Blasebalg entfernen — ohne den Sensor zu berühren. Die Kamera dabei leicht nach unten neigen, damit Partikel nach unten fallen statt im Gehäuse zu verbleiben.
Wichtig: Einen Blasebalg mit Filter für die angesaugte Luft verwenden — sonst bläst man neuen Staub auf den Sensor. Meine Empfehlung ist das kompakte VSGO Hurricane-Modell:
Eine praktische Alternative ist ein elektrisches Reinigungsluftgebläse wie das Nitecore Blowerbaby BB21 (Amazon) — mit konstantem, gefiltertem Luftdruck ohne manuelle Pumpbewegungen und ohne das Risiko von Feuchtigkeit, das Druckluftdosen mit sich bringen können.
Eine praktische Alternative ist ein elektrisches Reinigungsluftgebläse wie das Nitecore Blowerbaby BB21 (Amazon) — mit konstantem, gefiltertem Luftdruck ohne manuelle Pumpbewegungen und ohne das Risiko von Feuchtigkeit, das Druckluftdosen mit sich bringen können.
Schritt 4: Trockenreinigung
Hat der Blasebalg nicht gereicht, kommt ein Adhäsionstupfer zum Einsatz. Die Gummispitze wird auf den Schmutzpartikel gedrückt und dann seitlich abgerollt — der Schmutz bleibt am Tupfer kleben. Anschließend wird der Tupfer auf der beiliegenden Klebefolie gereinigt und ist wieder einsatzbereit.
Wichtig: Den Tupfer unbedingt abrollen, nie senkrecht abheben — sonst entsteht zu viel Zug am Sensor.
- eyelead Sensor Adhäsionstupfer (Amazon) — Hinweis: Das Kit ist bei Amazon nicht immer lieferbar. Falls nicht verfügbar, lohnt sich ein Blick in den Fachhandel oder bei Digitec/Galaxus.
Schritt 5: Nassreinigung
Bei hartnäckigem Schmutz — ölige Flecken oder festgebackene Partikel — hilft nur die Nassreinigung. Ein mit Reinigungsflüssigkeit getränkter Swab wird in einer fließenden Bewegung von links nach rechts über den fixierten Sensor gezogen, dann gedreht und von rechts nach links zurückgeführt. Jeden Swab nur einmal verwenden.
Ich empfehle das Wet & Dry-System von Green Clean: Zuerst löst ein feuchter Swab den Schmutz, ein zweiter trockener nimmt ihn zusammen mit der Feuchtigkeit auf.
Hinweis für Sony-Kameras: Sony verwendet eine spezielle Sensorbeschichtung — bitte nur Reinigungsflüssigkeiten verwenden, die explizit für Sony-Sensoren geeignet sind.
Und so sieht das fertig bearbeitete Ergebnis aus — der Strand von Ramberg nach der Sensorreinigung und weiteren Anpassungen in Lightroom:
Sensorreinigung ist kein Hexenwerk — und auch wenn die empfohlenen Produkte eine kleine Anfangsinvestition bedeuten, rechnen sie sich nach meiner Erfahrung schnell. Die Alternative wäre ein teurer Besuch beim Kamera-Service.
Wer die Lofoten oder Senja besucht und viele Objektivwechsel in Wind und Wetter plant, findet in meinem Fotoguide Lofoten Photography — Under Arctic Light auch praktische Tipps zur Ausrüstung vor Ort.
Dieser Artikel wurde zuletzt im Juni 2026 aktualisiert.
Disclaimer
Alle Angaben ohne Gewähr. schiefLicht Fotografie haftet nicht für Schäden, die bei der Sensorreinigung entstehen können. Die beschriebene Vorgehensweise entspricht meiner eigenen Erfahrung. Die genannten Produkte habe ich — sofern nicht anders erwähnt — selbst erworben und erprobt. Bei den verlinkten Produkten handelt es sich um Affiliate-Links: Bei einem Kauf über diese Links erhalte ich eine kleine Provision, ohne dass sich der Preis für dich erhöht.






Hallo Jens,
gute Zusammenfassung! Wenn man die Kamera beim Objektivwechsel nach unten hält, ist das schon die halbe Miete.
Habe die Trockenreinigung mit Eyelead schon ein paar Mal genutzt.
Wer noch Variationen sucht, bei denen sich die Nackenhaare aufrichten, kann ich meine dazu anbieten: Wenn kleine Flecken (wahrscheinlich flüssiges angetrocknet) hartnäckig anhaften, dann einfach den Sensor leicht „anhauchen“ und mit dem Gelstempel drauf. Ohne Garantie für andere – aber bei mir geht das prima.
Wer Bedenken vor Feuchtigkeit im Sensorbereich hat, sollte dran denken, dass die Kamera ja auch so konstruiert ist, dass sie notfalls bei Objektivwechsel im Kaltzustand im warmen feuchten Raum etwas Kondensat vertragen muss.
Aber wie gesagt, ist nur so eine Erfahrung von mir…
Danke dir, Jürgen!
Ja, da braucht es tatsächlich etwas Mut, den Sensor anzuhauchen, zumal dabei ja möglicherweise auch andere Schmutzpartikel im Inneren des Gehäuses landen können – die Feuchtigkeit ist dabei vermutlich wirklich das geringste Problem. 🙂 Ich habe mich das bislang noch nicht getraut – aber gut zu wissen, dass du gute Erfahrungen damit gemacht hast!
Ich arbeite meist offenblendig, sehe also den Dreck über einen (zu) langen Zeitraum nicht. Und bin dann in großer Verzweifelung, wenn plötzlich Blende 16 oder 22 gebraucht werden. Deshalb mein Vorgehen. Das Schöne an einem Abnehmen von Partikeln mit einem Gelstempel ist für mich, das es „nichtdestruktiv“ ist. Nassreinigung geht immer noch…
Ich bin übrigens nicht sicher, ob es toll ist, ein scharfkantiges Schmutzteil, das durch einen Blasebalg nicht gelöst wurde, bei Nassreinigung quer über den Sensor zu ziehen.
Haha ja, da hast du wohl Recht!
Hallo Jens,
ich habe noch eine Empfehlung zum Objektivwechsel. Wie Du schreibst sollte die Zeit ohne Objektiv an der Kamera so kurz wie möglich sein.
Ich drehe mich dabei so, dass mein Körper die Kamera vor dem Wind abschirmt. Wenn es trocken und staubig ist, kann der Wind unglaublich viele kleine Körnchen transportieren, die in der Kamera nichts zu suchen haben.
Gruß Bernd
Herzlichen Dank für deinen Kommentar, Bernd – das ist auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung der Vorgehensweise!