Neuer Fotoscout: Marokko fotografieren

Die Reihe der Fotoscouts aus dem dpunkt.verlag, zu der ich selbst ja auch schon einen Band zum Thema „Lofoten fotografieren“ beisteuern durfte, ist in den letzten Jahren immer wieder um neue Ziele erweitert worden.
Neben den Städteführern, die in der Regel im Hochformat publiziert werden, gibt es eine spannende Sammlung an Fotoscouts, die im Querformat zu fotografisch interessanten Reisezielen führen.

Neben Büchern über Island, die Lofoten oder auch Irland sind inzwischen auch Fotoscouts für Regionen in Deutschland wie den Pfälzerwald (sehr empfehlenswert!) oder auch die Ostseeküste und – ganz neu – die Bayerischen Alpen erhältlich.

Marokko fotografieren

Fotoscout „Marokko fotografieren“ (c) dpunkt.verlag

Reise in den Norden Afrikas

Sehr gespannt war ich in diesem Sommer auf das Erscheinen des neuen Fotoscouts Marokko fotografieren – Faszinierende Landschaften und orientalische Kultur. Wer mich kennt, weiß, dass mein (fotografisches) Herz eher für die skandinavischen Länder schlägt. Tatsächlich war ich bislang noch nie in Marokko, kannte aber natürlich etliche spannende Fotografien von Märkten oder auch Wüstenszenen, die mich sehr neugierig auf dieses Land und diesen Fotoscout machten.

Soviel vorab: Das 310 Seiten starke, dennoch kompakte Buch des Autorenpaars Karen-Meyer-Rebentisch und Jörg Löffler hat diese Neugier noch weiter verstärkt. Besonders spannend finde ich die Kombination von kulturwissenschaftlichen Aspekten und eben Empfehlungen zum Thema Fotografie.

Schon in der Einleitung erfährt der Leser allerlei Interessantes über die Anreise, das Reisen oder Leben vor Ort, Klima und Jahreszeiten. Einige der empfohlenen Verhaltensregeln, die die Kommunikation mit den Einheimischen, das Entgegenbringen von Respekt oder auch das Verhalten in Marktsituationen beschreiben, sind sicherlich auch auf andere Kulturkreise anwendbar. Besonders reizvoll erscheint mir der Hinweis auf die Entschleunigung, der man in Marokko begegnet: „Hetzen Sie nicht durch den Tag, sondern genießen Sie auch mal Ihre Zeit in Marokko!“ Das Verlangsamen ist ein Element, das ich in der Landschaftsfotografie vor allem bei Langzeitbelichtungen sehr genieße. Auch wenn der Kontext hier leicht anders ist, erkenne ich trotzdem eine Parallele.

Der Fotoscout selbst ist dann nach Nord und Süd aufgeteilt, was als Erleichterung gemeint ist für diejenigen, die nur einen Teil des Landes bereisen wollen.
Eigene Kapitel zu Spezialthemen wie Handwerk und Kunsthandwerk, Architektur, Menschenfotografie, Märkten, Oasen oder Wüsten ergänzen diese grobe Aufteilung des fotografischen Führers.

Nicht bei allen gezeigten Fotos sind die genauen Koordinaten angegeben, da sich vieles im Fluss befindet oder aus spontanen Situationen heraus entstanden ist.

Der Norden

Der Norden Marokkos ist hauptsächlich von arabischer Kultur geprägt. Das Autorenpaar nimmt uns mit auf eine fotografische Entdeckungsreise entlang der Küste von Casablanca über Rabat und Sale, Asilah, Tetouan, ins Rif-Gebirge, nach Chefchaouen und schließlich nach Fes noch weiter im Landesinneren. Dieser Abschnitt des Fotoscouts ist von vielen Detailansichten der Städte geprägt. Mir persönlich haben besonders gut die weiß-blauen Gassen von Asilah gefallen. Surreal wirken auch die blauen Gassen von Chefchaouen, der berühmten blauen Stadt im Rif-Gebirge.

Der Süden

Die Reise durch den Süden führt dann startend von der Atlantikküste bald ins Landesinnere. Der Hohe Atlas mit den Schluchten Dades und Todra wird ebenso vorgestellt wie „die Straße der 1.000 Kasbahs“ nach Marrakesch. Hier wirken die Landschaften insgesamt weiter und auch rauer, weite Teile sind von der Architektur der Berber geprägt.

Spezialthemen

Unter den Sonderkapiteln empfinde ich das zur Wüste als besonders eindrucksvoll. Hier werden einige klassische Aufnahmen in warmen Sandtönen gezeigt. Die Silhouetten der Kamele vor der untergehenden Sonne sind sehr stimmungsvoll. Auch die klassischen Marktplatzszenen mit einer etwas längeren Belichtungszeit, etwa die im lebendigen Zentrum Djemaa el Fna in Marrakesh, sprechen mich sehr an. In zarten Pastelltönen und bei Belichtungszeiten von ca. 2 Sekunden verschwimmen die einzelnen Menschen auf dem Markt in leichter Bewegung, während andere Bildelemente wie eingefroren wirken.

Über Sinn oder Unsinn der genauen Angaben aller Kameraeinstellungen zu den gezeigten Fotos kann man sicherlich trefflich streiten. Für die im Marokko-Fotoscout gezeigten Aufnahmen wären sie aus meiner Sicht eher entbehrlich gewesen, andererseits sind diese detaillierten Angaben Standard für die gesamte Serie der Fotoscouts. Vielleicht sind sie auch für eher unerfahrene Fotograf*innen hilfreich, um Einfluss von Brennweite, Blende oder Belichtungszeit auf die Bildwirkung besser einschätzen zu können – insofern haben sie wohl ihre Daseinsberechtigung und stören auch nicht weiter.

Mein Fazit

Besonders gut gefällt mir an diesem Fotoscout die Vielzahl an Fotos, die die Einheimischen in ihrem Alltag zeigen und beschreiben. In den begleitenden Texten erfährt man viele hilfreiche Hintergrundinformationen. Überhaupt wirkt der Fotoscout sehr empathisch auf mich, und besonders die kulturwissenschaftlichen Hintergründe finde ich sehr hilfreich.

Meine Lust, Marokko eines Tages persönlich zu bereisen, ist jedenfalls weiter gewachsen. Und wenn es so weit ist werde ich sicherlich diesen Fotoscout mit im Gepäck haben!

Marokko fotografieren: Faszinierende Landschaften und orientalische Kultur
(Fotoscout – Der Reiseführer für Fotografen)
von Jörg Löffler und Karen Meyer-Rebentisch

Herausgeber: dpunkt.verlag GmbH; 1. Edition (27. Mai 2022)
Sprache: Deutsch
Broschiert: 310 Seiten
ISBN-10: 3864906644
ISBN-13: 978-3864906640
Abmessungen: 13.9 x 1.9 x 20.9 cm
UNSPSC-Code: 55101500

Transparenzhinweis

Ein gedrucktes Exemplar des Fotoscouts „Marokko fotografieren“ wurde mir vom dpunkt.verlag unentgeltlich als Leseprobe zur Verfügung gestellt. Die Buchbesprechung spiegelt trotzdem meine unabhängige, eigene Meinung wider und wurde auch nicht mit dem Verlag und/oder den Autoren vorab geteilt.

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