Ein persönlicher Reisebericht von unserer Frühlingswoche auf den Lofoten – zwischen Genesung, langen Fahrten und kleinen Abenteuern.
Warum diese Reise besonders war
Ende April 2025 bin ich gemeinsam mit meiner Frau auf die Lofoten zurückgekehrt. Für mich war es mehr als „nur“ ein Wiedersehen mit einer Landschaft, die ich liebe: Die Reise war ein wichtiger Schritt auf meinem Weg der Rehabilitation nach schwerer Erkrankung und Operation im Dezember 2024. Wir haben in denselben Unterkünften gewohnt, die ich auch während meiner Workshops nutze – vertraute Orte, die Ruhe geben und an denen der Blick aus dem Fenster schon wie eine tiefe Atemübung wirkt.
Entschleunigung und Unterstützung durch die Familie
Das Fotografieren stand diesmal nicht im Mittelpunkt. Und doch habe ich bewusst nach neuen Motiven und Kompositionen gesucht. Es ist faszinierend, wie vertraute Spots mit etwas Abstand, anderem Licht und einem ruhigeren Tempo plötzlich ganz anders sprechen.
Möglich wurde diese Reise auch, weil unser Sohn in dieser Zeit unseren Dalmatiner Xerxes liebevoll versorgt hat – tausend Dank dafür.
Anreise ohne Umwege – und mit gutem Gefühl
Um den Stress möglichst gering zu halten, haben wir uns für einen Direktflug von Frankfurt nach Evenes entschieden. Von dort sind es knapp vier Stunden Autofahrt bis nach Leknes – ein Tausch, den wir jederzeit wieder eingehen würden. Diese Strecke ist keine „Pflicht“, sie ist Teil des Erlebnisses: Fjorde, Berge, Meer – die Landschaft der Lofoten entfaltet sich wie ein Film in Zeitlupe. Man kommt an, lange bevor man angekommen ist.
Kleine Panne, große Hilfe: Ostersonntag auf Gimsøy
Am Ostersonntag wurden wir auf Gimsøy ausgebremst – eine Reifenpanne an einem entlegenen Ort. Kein Drama, aber eines dieser Erlebnisse, die daran erinnern, wie dünn das Band aus Planung und Kontrolle auf einer Insel sein kann. Wir wurden abgeschleppt und konnten unser Fahrzeug in Svolvær tauschen. Überrascht wurden wir auch dadurch, dass der Fahrer des Abschleppwagens ein Deutscher war. Unkonventionell durften wir im Auto sitzen bleiben, während wir aus der luftigen Höhe der Rampe des Pannenfahrzeugs ganz neue Perspektiven entdecken durften. Danach ging es mit frisch gewonnener Gelassenheit weiter – und mit der Erkenntnis, dass Hilfe auf den Lofoten meistens nicht weit ist.
Vorsicht, Falle! Uttakleiv, der Parkplatz am Strand...
Der Strand von Uttakleiv ist spektakulär und unbedingt einen Besuch wert. Gleichzeitig liegt der Parkplatz auf Privatgrund und die Abrechnung erfolgt per automatischer Kennzeichenerfassung – abgewickelt über YouPark.
Zur Einordnung der Betreiber-Reputation: Die mit Uttakleiv verbundene Firma Finter AS schneidet auf Bewertungsportalen sehr schwach ab (z. B. Trustpilot: 1,1/5 bei ~290 Rezensionen). Auch YouPark selbst wird dort kritisch bewertet.
Unser Fall (April 2025): Vor Ort haben wir ein 3-Stunden-Ticket für 5 € (≈ 60 NOK) gelöst. Trotzdem stellte die Mietwagenfirma später zusätzliche 50 € (inkl. Bearbeitung) in Rechnung. Direkter Kontakt zu Finter war nur per Webformular möglich; es gab keine Ticketnummer und keine Eingangsbestätigung. Nach drei Wochen kam eine knappe Mail: „this is because you have not paid within 48 hours.“ – die Begründung wechselte anschließend mehrfach („nicht bezahlt“ → „zu spät bezahlt“ → „zu lange geparkt“ → „nur 18 Minuten angekündigt, auch wenn für drei Stunden bezahlt wurde“), häufig mit dem Hinweis „I cannot help you“ bzw. „You must contact rental car company“. Fakt war, dass wir für die knapp 90 Minuten, die wir vor Ort gewesen sind, direkt bei der Einfahrt ein Ticket für bis zu drei Stunden Parkzeit gelöst und auch direkt bezahlt hatten.
Wir haben den Vorgang über die Europäische Verbraucherzentrale (ECC-Net) gemeldet; der Fall wurde nach Norwegen übergeben. Ergebnis: Finter AS erstattet an Hertz, und wir bekommen unser Geld zurück – gut ausgegangen, aber unnötig aufwendig.
Hinweise für Besucher:innen (kurz & praktisch):
- Alles dokumentieren: Ein-/Ausfahrt und Beschilderung, Zahlung am Automaten/App, Screenshots/Belege und Bankbuchung sichern.
- Fristen beachten: Wenn ihr online/App zahlt, unbedingt Bestätigung speichern (Screenshots). Bei Automaten: Bon aufheben.
- Preise & Regeln vor Ort lesen: Tarife ändern sich; maßgeblich ist die Beschilderung (ALPR).
- Im Streitfall sachlich widersprechen, Nachweise beilegen und bei Bedarf ECC-Net einschalten.
- Lokales Stimmungsbild: Über Uttakleiv-Parkgebühren wird in der lokalen Presse wiederholt kritisch berichtet – ein Blick in die (norwegische) Berichterstattung hilft beim Einordnen.
Fazit: Uttakleiv bleibt ein Juwel – mit ein wenig Aufmerksamkeit und guter Dokumentation nehmt ihr nur gute Erinnerungen mit.
Entschleunigtes Fotografieren
Mein fotografisches Ziel war kein „Best of“, sondern „anders schauen“. Statt auf die großen Postkartenmotive zu schielen, habe ich mich auf Kanten, Linien, negative Flächen und kleine Farbbalance-Momente konzentriert – Bilder, die atmen dürfen. Gerade in einer Phase der Genesung tut es gut, den Anspruch runterzudrehen und dem Zufall wieder Platz zu geben.
Ein Rückweg übers Meer
Zum Ende der Reise wurde es noch einmal abenteuerlich: Die Straße nach Norden war nach einem Steinschlag gesperrt. Unser Vermieter und guter Freund Trond hat kurzerhand geholfen, eine Nacht-Kabine auf dem Hurtigruten-Postschiff zu reservieren. So konnten wir die Sperrung auf dem Seeweg umgehen und anschließend mit dem Bus zum Flughafen weiterreisen. Ungeplant – und genau deshalb unvergesslich. Draußen glitt die Küste vorbei, drinnen war Zeit, die Woche Revue passieren zu lassen.
Fazit: Dankbarkeit und Vorfreude
Diese Tage auf den Lofoten haben mir auf dem Weg der Genesung unglaublich gut getan. Noch schöner war es, all das gemeinsam mit meiner Frau zu erleben – die Ruhe, das wechselnde Licht, die langen Fahrten und die kleinen Zwischenfälle, aus denen gute Geschichten werden. Es war eine Reise zurück ins Licht, Schritt für Schritt.
Workshop-Hinweis: Lofoten Ende Januar 2026
Im Moment sind noch drei freie Plätze für meinen Workshop „Lofoten Spirit 2026“ Ende Januar verfügbar. Alle Details findest du hier:













