Im Mai hatte ich mir vorgenommen, bald wieder nach Wetzlar zu fahren – diesmal mit einer Werksführung durch die Leica Welt, die beim ersten Besuch nicht angeboten wurde. Ende August war es soweit. Am 28. August bin ich mit meiner Frau Elisabeth und unserem Dalmatiner Xerxes angereist, mit Übernachtung bis zum nächsten Tag.
Nach dem ersten Besuch in der Leica Welt hatte ich mir eine gut erhaltene gebrauchte M10-P gesucht und bin in der Nähe von Köln fündig geworden. Bei der Abholung kam es zu einem ausführlichen Gespräch über dokumentarische Fotografie, Architektur und Leica – der Kauf wurde damit selbst schon zu einem kleinen Erlebnis. Diesmal hatte ich die Kamera also dabei, mit dem alten Summicron 1:2/35 aus dem Besitz von Elisabeths Großvater – deshalb gibt es diesmal auch ein paar Farbaufnahmen.
Zwei Augenpaare – Donata und Wim Wenders im Ernst Leitz Museum
Der Ausstellungshöhepunkt war diesmal Zwei Augenpaare. Fotografien von Donata und Wim Wenders im Ernst Leitz Museum, zu sehen noch bis zum 20. September 2026. Die Schau stellt die fotografischen Arbeiten der beiden einander gegenüber, kuratiert als Dialog zwischen zwei sehr unterschiedlichen Blicken auf die Welt.
Wim Wenders kennt man vor allem als Regisseur: „Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“, „Buena Vista Social Club“ und zuletzt „Perfect Days“ haben seinen Ruf als einen der wichtigsten deutschen Filmemacher begründet. Parallel dazu fotografiert er seit Jahrzehnten, oft an seinen Drehorten oder auf Reisen – Landschaften und Architektur in einer klaren, farbintensiven Bildsprache, meist menschenleer, aber mit deutlichen Spuren dessen, was dort passiert ist. Donata Wenders, seit 1993 mit ihm verheiratet, kommt aus einer anderen Richtung: Sie hat Film und Theater studiert, war lange als Kameraassistentin und Kamerafrau tätig und fotografiert seit 1995 – ihre Bilder wirken deutlich intimer und stiller. Gezeigt werden sowohl bekannte, ikonische Motive als auch neuere Arbeiten, dazu ein eigens für die Ausstellung produziertes Interview mit beiden.
Ich habe lange vor einigen der großformatigen Wenders-Prints gestanden und mich gefragt, wie zwei Menschen, die seit über dreißig Jahren zusammen unterwegs sind, so unterschiedlich auf dieselbe Welt schauen können. Wer in der Nähe ist oder ohnehin eine Fahrt nach Wetzlar plant, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen.
Personal Perspectives – 50 Jahre Leica Galerien
Direkt nebenan, in der Leica Galerie Wetzlar, lief parallel noch eine zweite, kostenfreie Ausstellung: Personal Perspectives, anlässlich des 50-jährigen Bestehens der ersten Leica Galerie, die 1976 im Foyer des damaligen Verwaltungsgebäudes in Wetzlar eröffnet wurde. Die heutigen Galeristinnen und Galeristen des inzwischen auf 27 Standorte gewachsenen Netzwerks haben dafür ihre persönlichen Favoriten aus fünf Jahrzehnten Ausstellungsgeschichte zusammengetragen – von Klassikern wie Elliott Erwitt und Werner Bischof bis zu jüngeren Positionen wie Franziska Stünkel. Für einen Rundgang zwischendurch, bevor oder nach der Werksführung, genau richtig.
Die Werksführung – ein bisschen Pech mit dem Timing
Die Werksführung, auf die ich mich gefreut hatte, habe ich diesmal endlich mitgemacht. Nur leider fiel mein Termin auf einen Freitagnachmittag, an dem in der Produktion kaum noch jemand zu sehen war – die meisten Mitarbeitenden hatten für das Wochenende bereits Feierabend. Trotzdem war die Führung interessant und hat einen guten Eindruck von den Abläufen und der Fertigungstiefe bei Leica vermittelt, auch wenn die Werkbänke an diesem Nachmittag größtenteils leer waren. Für einen nächsten Besuch nehme ich mir einen Vormittag unter der Woche vor.
Café Leitz – Wiedersehen mit Steffi und Hardo
Einer der schönsten Programmpunkte des Tages war verabredet: Steffi und Hardo, die vor einiger Zeit an einem meiner Workshops teilgenommen haben, wohnen nur zehn Autominuten vom Leitz-Park entfernt. Wir haben uns im Café Leitz getroffen, das ich schon beim ersten Besuch erwähnt hatte. Aus dem fachlichen Austausch im Workshop ist über die Zeit eine echte Freundschaft geworden, und solche Wiedersehen gehören für mich zu den schönen Nebeneffekten dieser Arbeit.
Elisabeth, Xerxes und der Leitz-Park Wald
Der Leitz-Park hat sich für Elisabeth und Xerxes als gut geeignet erwiesen: Xerxes war in Hotel, Café und auf dem gesamten Gelände willkommen, ohne dass wir uns dafür irgendwo hätten rechtfertigen müssen. Direkt angrenzend liegt der Leitz-Park Wald, den ich schon von meinem ersten Besuch kannte – ein rund drei Kilometer langer Naturlehrpfad durch einen alten, nie wirtschaftlich genutzten Wald, laut Leica eng verbunden mit Oskar Barnack und Ernst Leitz II., die beide leidenschaftliche Naturbeobachter waren. Neu für mich war das kleine Kunstprojekt, das inzwischen entlang des Wegs zu entdecken ist. Für einen ausgedehnten Spaziergang zwischen den Ausstellungsbesuchen genau richtig, gerade mit Hund.
Wetzlar hat sich für mich zu einem Ort entwickelt, an dem sich ein ganzes Wochenende lohnt. Der nächste Besuch kommt bestimmt – dann vielleicht mit eingelegtem Film in der M2 und mehr Zeit im Classic Store.














