Anfänge: Die Kamera als Mittel zum Zweck
Als ich die Landschaftsfotografie ernsthaft wieder aufgegriffen habe, war das Equipment klar: Canon. Eine EOS 300D, später weitere Modelle, schließlich die 5D und die 5D Mark III. Ich habe mich in dieses System hineingekauft – Objektiv für Objektiv, Body für Body. Nicht weil ich Canon besonders liebte, sondern weil es das war, was man hatte und kannte, und weil Systemwechsel eben schmerzhaft teuer sind. Wie diese ersten Jahre meiner Landschaftsfotografie aussahen, habe ich in einem Rückblick auf meine Island-Reise 2010 beschrieben.
Am Ende war mein Canon-Setup fast vollständig. Und trotzdem hatte ich das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Die Kamerahersteller hatten sich in eine Komfortzone zurückgezogen: Der Nutzer bleibt bei seinem System, weil die Objektive nicht kompatibel sind – warum also noch echte Innovationen liefern? Die Mark IV kostete deutlich mehr als die Mark III und bot kaum mehr. Irgendwann dämmerte mir: Ich fotografiere nicht mit dem System, das am besten zu mir passt. Ich fotografiere mit dem System, für das ich mich in der Vergangenheit entschieden habe und an das ich gewissermaßen gebunden bin.
Der Umstieg: Sony und der Mut zum Risiko
Als Sony mit der ersten spiegellosen Vollformatkamera auf den Markt kam, war mein erster Impuls, es auszuprobieren. Ich hatte das Gefühl, dass spiegellose Kameras die Zukunft gehören würde – und dieser Eindruck hat sich inzwischen vollständig bestätigt. Alle anderen Hersteller sind mit Verzögerung auf diesen Zug aufgesprungen und mussten enorme Investitionen stemmen, um Sony wieder einzuholen. Ich habe eine Sony A7R gekauft und meine Canon-Objektive per Adapter adaptiert.
Das Ergebnis war… gemischt. Die Bildergebnisse haben mich sofort überzeugt. Aber das System insgesamt war launisch – die Kombination aus Metabones-Adapter und Sony-Body funktionierte nicht immer reibungslos. Das Menü der Sony war, verglichen mit Canon, schlicht eine Katastrophe. Und trotzdem bin ich geblieben. Weil ich gemerkt habe: Die Bilder sind das, was zählt.
Sukzessive habe ich meinen gesamten Objektivpark auf Sony umgestellt. Heute nutze ich verschiedene Sony-Modelle für unterschiedliche Aufgaben – die A7 IV, die A9, die A7S III. Und für Nachtaufnahmen eine speziell modifizierte A7S.
Die Sony-Kameras können vieles. Eigentlich alles. Sie autofokussieren präzise, sie rauschen wenig, sie liefern verlässlich. Aber sie haben für mich nie eine eigene Persönlichkeit entwickelt. Wenn ich eine Sony in der Hand halte, denke ich: Gut, an die Arbeit. Nicht mehr, nicht weniger. Das ist kein Vorwurf – es ist eine Feststellung.
Wie mein Setup zu dieser Zeit aussah, hat shotkit 2017 in einem Ausrüstungsporträt festgehalten – ein guter Anhaltspunkt, wie weit sich seitdem alles verändert hat.
2020: Eine alte Kamera, ein neues Gefühl
Im Jahr 2020 bin ich auf eine Art und Weise zu einer Kamera gekommen, wie man es sich kaum ausdenken könnte. Auf dem achtzigsten Geburtstag meiner Mutter traf ich einen Mann im Alter meiner Mutter, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Irgendwann im Lauf des Abends erwähnte er beiläufig, dass er noch eine alte Fotoausrüstung zu Hause habe. Nicht mehr benutzt, schon lange nicht mehr. Am nächsten Tag besuchte ich ihn – und nahm eine sehr gut erhaltene analoge Hasselblad 500 C/M mit drei Objektiven mit nach Hause, für den symbolischen Preis von 500 €.
Ich weiß noch, wie ich sie zum ersten Mal in den Händen gehalten habe – dieses schwere, präzise Stück Mechanik aus den Siebzigerjahren. Kein Display, kein Autofokus, kein Menü.
Ich war sofort fasziniert.
Es ist schwer zu erklären, warum. Die Kamera ist langsam. Sie verzeiht keine Fehler. Jeder Auslöser kostet – buchstäblich, weil Mittelformat-Film teuer ist. Aber genau das hat bei mir etwas ausgelöst: dieses bewusstere Hinschauen vor dem Auslösen, das Zwingen zur Entschleunigung. Von meinen ersten Erfahrungen mit der analogen Hasselblad habe ich damals in einem Blogartikel zur Sommersonnenwende 2020 berichtet.
Das hat mich nicht losgelassen.
Mittelformat digital: Wenn Technik Ruhe bedeutet
Ein Freund wies mich irgendwann darauf hin, dass es für die alte 500 C/M ein digitales Rückteil gibt – erschwinglich gebraucht, und kompatibel. Das war mein erster Schritt in die digitale Mittelformatwelt: Ich konnte nun je nach Stimmung analog, hybrid oder rein digital fotografieren. Aber was mich nicht losließ, war die Frage, wie sich ein modernes digitales Hasselblad-System anfühlt.
Irgendwann kaufte ich mir gebraucht eine Hasselblad X1D II 50C – die Preise waren gesunken, nachdem der Nachfolger erschienen war. Und dann passierte etwas, das ich nicht erwartet hatte: Ich verliebte mich in ein Menü.
Das klingt absurd. Aber wer je versucht hat, in einer Sony-Kamera eine Einstellung zu finden, die er seit Monaten nicht geändert hat, der versteht, was ich meine. Die Hasselblad ist anders. Schlicht. Klar. Man findet, was man sucht. Die Kamera stellt sich in den Dienst des Fotografierens, nicht in den Weg.
Die Bilder – nun ja. Mittelformat hat eine Qualität, über die man nicht viel sagen muss, wenn man sie einmal gesehen hat. Was das in der Praxis bedeutet, habe ich in einem früheren Artikel über Lofoten-Fotografien im Mittelformat beschrieben.
Als dann nach langer Zeit der Spekulationen, welche technischen Upgrades das neue Modell mitbringen würde, die X2D 100C II angekündigt wurde, war meine Entscheidung schnell getroffen: Die höhere Auflösung war schön, aber was mich wirklich überzeugt hat, waren der verbesserte Bildstabilisator, der neu eingeführte Joystick, das klappbare Display – und der kontinuierliche Autofokus, den es bei Hasselblad so vorher noch nie gab. Ich habe sie vorbestellt.
Und dann wurde dieser Kauf zu etwas mehr als einem Upgrade.
Eine Belohnung, die ich mir selbst versprochen hatte
Im Oktober 2024 wurde bei mir Krebs diagnostiziert, im Dezember 2024 wurde ich operiert.
In den Tagen davor habe ich mir ein Versprechen gegeben: Wenn ich diesen Eingriff überstehe und wieder gesund werde, gönne ich mir die neue Hasselblad. Das mag seltsam klingen – eine Kamera als Ziel. Aber manchmal braucht man etwas Konkretes, etwas Greifbares, an dem man sich festhalten kann. Für mich war es das.
Ich habe den Eingriff überstanden. Und ja – ich habe mir die Kamera gekauft.
Sie ist das erste Gerät, mit dem ich nach der Genesung wieder ernsthaft fotografiert habe. Und jedes Mal, wenn ich sie in der Hand halte, erinnert sie mich daran, warum ich das alles überhaupt tue.
Die Leica: Schwarz, weiß und sehr bewusst
2021 habe ich mir eine Leica M10 Monochrome gekauft. Meine Mutter war kurz nach ihrem achtzigsten Geburtstag gestorben und hatte mir etwas Geld hinterlassen. Ich hätte es auch anders anlegen können. Aber ich habe mir die Kamera gekauft – und bereue das bis heute nicht. Wenn ich sie in der Hand halte, denke ich manchmal an sie.
Wer jetzt zusammenzählt, was Hasselblad und Leica zusammen kosten, liegt vermutlich richtig. Das ist kein Equipment für jedermann, und ich mache mir keine Illusionen darüber. Ich bin in der glücklichen Lage, durch meinen Hauptberuf finanziell abgesichert zu sein – die Fotografie ist meine Leidenschaft, nicht mein Brotberuf. Das gibt mir Freiheiten, die ich nicht für selbstverständlich halte.
Zurück zur Kamera: Auch das war keine rationale Entscheidung. Eine Kamera, die nur manuell fokussiert werden kann und ausschließlich schwarz-weiß fotografiert – das klingt nach Selbstbestrafung.
Es fühlt sich aber anders an.
Die Leica zwingt mich dazu, in Kontrasten zu denken, bevor ich auslöse. Der manuelle Fokus verlangsamt mich. Der Ausschuss ist hoch – und ich akzeptiere das. Weil die Bilder, die gut werden, eine Qualität haben, die ich mit keiner anderen Kamera erreiche. Nicht technisch – sondern in dem, was sie zeigen wollen.
Heute ist die M10 Monochrome mein bevorzugtes Modell für Portraits und für gelegentliche Ausflüge in die Straßenfotografie.
Und weil mir nach einem Besuch der Leica Welt in Wetzlar klar war, dass ich auch Farbe vermisse, habe ich mir gebraucht eine Leica M10-P dazugekauft. Das Modell ist ein paar Jahre alt – aber die Qualität ist ungebrochen, und das Fotografieren macht damit genauso viel Freude.
Was sich wirklich verändert hat
Wenn ich ehrlich bin, geht es in diesem Text gar nicht so sehr um Kameramodelle.
Es geht darum, dass ich mit den Jahren ruhiger geworden bin – beim Fotografieren und insgesamt. Die Kameras, die ich heute aus rein emotionalen Gründen bevorzuge, sind langsamer, spezialisierter, weniger universell. Sie verlangen mehr von mir. Und das ist genau das, was ich inzwischen suche.
Die Sony bleibt. Sie ist ein Werkzeug, dem ich vertraue, wenn ich weiß, was ich will und es effizient umsetzen muss. Für alles andere greife ich zur Hasselblad oder zur Leica – und nehme mir die Zeit, die das Fotografieren dann braucht.
Vielleicht ist das der eigentliche Wandel: Ich habe aufgehört, Kameras nach dem zu beurteilen, was sie können. Ich beurteile sie danach, was sie in mir auslösen.








